Ein Gastbeitrag
von Johannes Eisleben
Der moralische Universalismus geht davon aus, dass bestimmte Rechte jedem Menschen zeit- und ortsunabhängig zukommen. Doch gingen die Erfinder bzw. Entdecker dieser natürlichen Rechte eines jeden Menschen davon aus, dass deren Geltung immer auf das Gebiet eines Staates begrenzt ist, um das Individuum vor dem staatlichen Machtmonopol zu schützen. In den letzten Jahrzehnten hat sich nun aber ein ganz anderer Universalismus entwickelt, der gegen die Prinzipien des Völkerrechts, gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker in Stellung gebracht wird. Dabei geht es diesen Herrschaftsuniversalisten in Wahrheit gar nicht um die Menschenrechte, welche sie lediglich instrumentalisieren, um die nationalen Zivilgesellschaften von innen heraus aufzulösen, wie Johannes Eisleben dezidiert aufzeigt.
Wie der Universalismus gegen die abendländische Kultur instrumentalisiert wird
Kommentar GB:
Es ist dies m. E. ein außerordentlicher wichtiger und treffender Artikel, eine Kritik der globalistischen Ideologie, der dringend gelesen und diskutiert werden sollte.
Ich greife hier nur eine Passage heraus:
(…) „Die andere Gruppe ist interessanter. Nennen wir sie Herrschaftsuniversalisten. Sie sind die Ingenieure der Macht, die den Universalismus gezielt als Herrschaftsverfahren einsetzen. Wie funktioniert das?
Das Ziel der Herrschaftsuniversalisten ist die Ablösung des machtkontrollierenden, demokratisch konstituierten, nationalen Rechtsstaats durch supranationale Rechtsetzung (Legislative) und -sprechung (Judikative). Die nationale Legislative soll dann das supranationale Recht nur noch in nationales Recht gießen (so ist es bei mehr als der Hälfte des Rechtskörpers schon in der EU), und die nationale Judikative soll sich im Zweifel immer der supranationalen, auch wenn die ihre Suprematie nur usurpiert hat (wie der EuGH), beugen – wichtiges Beispiel dafür: die Eurorettung.
Herrschaftsziele pseudo-moralisch überhöhen
Nationale Regierungen haben dann nur noch den Charakter von Auftragsexekutiven, die supranationales Recht umsetzen oder bestraft werden, wenn sie dies nicht tun (wie dies nun Italien, Polen und Ungarn in der EU blüht). Die EU versucht sich diesem Zielbild zu nähern. Die Herrschaftsuniversalisten wissen genau, warum sie den Nationalstaat zu überwinden haben: um den aus ihrer Sicht mühsamen nationalen Widerstand gegen eine globale Vermögens- und Machtkonzentration auf eine Weltelite zu umgehen. Doch ist der Nationalstaat erst einmal aufgelöst, bleibt von der Menschenwürde, die die Universalisten stets wie eine Monstranz vor sich hertragen, nichts übrig, und die Ideologie des Universalismus kann nach ihrer erfolgreichen Endverwertung endlich entsorgt werden.
Denn der Universalismus ist für die Herrschaftsuniversalisten nur eine Ideologie, die es erlaubt, ihre Herrschaftsziele pseudo-moralisch zu überhöhen und die ahnungslosen, gutgläubigen Gesinnungsuniversalisten – von denen Medienredaktionen und Universitätsfakultäten nur so strotzen – auch noch als freiwillige Mitstreiter zu nutzen. Nationalstaaten werden dabei als „egoistisch”, „bellizistisch“, „chauvinistisch“ und „unzeitgemäß”, der scheinbar modernen „Weltoffenheit” und „Diversität” gegenüber feindselig eingestellt charakterisiert.
Internationale militärische Interventionen werden als „humanitäre Missionen” deklariert, obwohl es oft nur um die Demarkation von Einflusssphären und Zugang zu Rohstoffen (oder in anderen Fällen zu Märkten) geht. Migration wird als Errungenschaft offener Gesellschaften beschrieben, doch dient sie nur der Zerstörung nationaler Gruppenidentitäten. Denn kein fähiger Technokrat glaubt ernsthaft, dass unausgebildete oder gar analphabetische Migranten aus archaischen Gewaltkulturen, die moderne soziale Normen nicht verinnerlicht haben und auch nicht mehr erlernen können, zur Wertschöpfung beitragen. Sie sollen vielmehr die Zivilgesellschaft destabilisieren, bis eine nationale politische Willensbildung so schwer wird, dass sich der nationale Souverän gleichsam auflöst.“ (…)
Das ist es, worum es geht.

