Juli 26, 2026 Von Dirk Ellerbrock
Ein Meinungsbeitrag von Dirk Ellerbrock.
„Die transatlantische Allianz steht heute nicht allein vor Herausforderungen von außen. Sie sieht sich zugleich mit einer tiefgreifenden Krise ihres eigenen politischen und wirtschaftlichen Modells konfrontiert. Was von seinen Verteidigern als schützenswerte Erhaltung der „liberalen, regelbasierten Ordnung“ verstanden wird, erweist sich aus kritischer Perspektive zunehmend als Ausdruck innerer, struktureller Widersprüche.
Thomas Hobbes‘ Sinnbild des Leviathan beruhte auf einem klaren Versprechen: Der Staat garantiert Schutz, soziale Ordnung und Wohlstand – im Gegenzug ernten seine Institutionen Loyalität. Wenn dieser Schutzvertrag jedoch bröckelt, gerät das gesamte Gefüge ins Schwanken.
Aus unterschiedlichen theoretischen Blickwinkeln – von der Postdemokratiekritik Colin Crouchs über Sheldon Wolins Analyse des „umgekehrten Totalitarismus“ bis hin zu John Mearsheimers Kritik der liberalen Hegemonie – lassen sich dabei mehrere miteinander verbundene Problemlagen erkennen: die Entfremdung zwischen Bürgern und Institutionen, die Verengung des öffentlichen Diskurses, die Konzentration wirtschaftlicher Macht, die Entkopplung der Finanzmärkte von der realen Güterproduktion sowie eine Außenpolitik, deren globale Gestaltungsansprüche zunehmend an materielle und diplomatische Grenzen stoßen.
Die These dieses Essays lautet daher nicht, dass der Westen unmittelbar vor seinem Zusammenbruch steht. Vielmehr stellt sich die Frage, ob seine institutionellen und gesellschaftlichen Strukturen noch über ausreichende Fähigkeiten zur Selbstkorrektur verfügen. Diese Frage ist zunächst eine der politischen Ökonomie und der Institutionen. Sie berührt aber, sekundär, auch eine psychologische Dimension: die Frage, warum Bürger und Eliten notwendige Korrekturen selbst dann verweigern oder sabotieren, wenn deren materielle Grundlage längst erkannt ist.“ (…) (Hervorhebung GB)
https://apolut.net/der-erschoepfte-leviathan-zur-strukturellen-krise-des-westens/

