Michael Klonovsky
„(…) –
Die Praxis der Leihmutterschaft – allein dieser gefinkelte, der „Schwangerschaftsunterbrechung” ebenbürtige Euphemismus! – wird vor allem unter dem Aspekt des Menschenhandels sowie des Missbrauchs der Frauen als Gebärmaschinen kritisiert, und das völlig zu recht.
(…)
Was mich aber anwidert und in den Harnisch bringt, ist die Ersetzung der Mutter durch eine Eizellenspenderin (sozusagen die Hefe) und eine Austrägerin (sozusagen Teig und Backofen in einem). Die Mutter wird also praktisch ausgelöscht – welche von beiden wäre denn die „richtige”? –, das Kind darf niemals eine Mutter haben, es muss ohne das Elementarste, was ein Mensch besitzt, durchs Leben gehen. Sicher werden so gezeugte Zeitgenossen signifikant oft an psychischen oder seelischen Störungen laborieren, aber bis dahin vergeht viel Zeit, und ihre beiden Papis waren doch so glücklich! Außerdem kann es auch gutgehen, wer will das vorher wissen? Die Kinder haben zwar keine richtige Mutter, aber dafür Elter 1 bis 4! Mit Nummer 3 und 4 (2 und 3?) sind sie biologisch nicht verwandt, doch mit ihrer Eizellenspenderin können sie sich ja mal auf ein Käffchen treffen. Sie gehört schließlich irgendwie zur Familie, wenngleich Rechte und Erbansprüche von vornherein ausgeschlossen wurden. Die Besitzerin des Mietkörpers kennenzulernen, wäre allerdings eher peinlich. Brave New World.
(Kommentar GB:
Es ist mE völlig evident, daß hier die in Art. 1 GG garantierte Menschenwürde verletzt wird, sogar geradezu exemplarisch. Unter „Menschenwürde“ wird hier das gleiche Menschsein, exakt die Zugehörigkeit zur species homo sapiens sapiens, gemeint, d.h. es ist moralisch und rechtlich-normativ ausgeschlossen, von „Untermenschen“ oder von „lebensunwertem Leben“ (wie im NS) zu reden: menschliches Leben ist und bleibt immer menschliches Leben, von seinem Beginn – als befruchtete Eizelle – bis zu seinem physischen Ende im Tod, und es bleibt als solches unantastbar; gerade weil und obwohl es eben doch Versuche und Versuchungen des praktischen Antastens gibt, wenn auch, wenig überraschend, mit einem entsprechend großem Rechtfertigungsaufwand vorgetragen,
nämlich
(1) die euphemistisch so genannte „Leihmutterschaft“ – siehe oben – und ebenso die Samenspende (https://www.spenderkinder.de/),
(2) die Abtreibungen im Verlauf der Schwangerschaft, aber auch medzinisch unnötige oder schädliche Eingriffe,
(3) die Eingriffe am Lebensende, z. B. Hilfe zum Suizid, oder die Organspende)
(…). –
Warum werden die Leute aus der ehemaligen DDR, die z.B. im Gefängnis saßen, ausgewiesen wurden, die sperrig waren, warum werden die nicht geehrt, warum sind ihre Namen nicht bekannt? Ich kenne ein bisschen die amerikanische Szene, und seit dem Fall der Mauer überlege ich, wie es dort wäre. Das, was Herr Mannhart und ich uns fragen, wäre dort ganz anders. Die Widerständler würden ständig, mit Pathos, mit Bewunderung, vorgestellt. Die wären alle bekannt. Bei uns kennt sie kein Mensch. Warum stellen wir unsere Helden nicht aus?”
Norbert Bolz gibt in der Sendung die passende Antwort: weil es nicht erwünscht ist. Weil es Antisozialisten oder zumindest Opfer von Sozialisten waren. Weil die westlichen Eliten ein neofeudales, autoritäres, zentralistisches, die Kontrolle und Überwachung der Untertanen einschließendes System anstreben, das einer smarten DDR 2.0 bzw. einer EUdSSR ähnlicher ist, als sie jemals eingestehen würden. Weil genau aus diesem Grund das Gedenken an den so tristen wie – ein Lieblingswort der Linken – menschenverachtenden Realsozialismus in der DDR und an dessen freiheitliche Gegner kontraproduktiv wäre. Da insbesondere ältere Bewohner der Ehemaligen über ein besonderes Sensorium für staatlichen Machtmissbrauch und die entsprechende Begleitpropaganda verfügten – sie hören jedenfalls weit eher als Westdeutsche das autoritäre Gras wachsen –, bestehe seitens des polit-medialen Komplexes ein Interesse, sie nicht zu Wort kommen zu lassen und ihre spezifische Erinnerung aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verbannen.
Deshalb überzieht man die Ost- bzw. Mitteldeutschen auch ständig mit Nazi-Vorwürfen, obwohl deren Grundaversion sich gegen die eben genannte DDR 2.0‑Ähnlichkeit der EU-BRD richtet und keineswegs auf eine Wiederbelebung der NS-Diktatur zielt. Den Dreh hatten übrigens schon die SED-Genossen raus, in deren Vokabular die Bürgerrechtler und Oppositionellen nicht nur als „Staatsfeinde” und „Gegner des Sozialismus” firmierten, sondern immer auch mit dem „Faschismus” oder „faschistischen Kräften” kurzgeschlossen wurden, denn die DDR sah sich offiziell als den „antifaschistischen” deutschen Staat. Der Antifaschismus war die einzige Legitimation der Kommunisten, als sie 1945 ff. ihr Regime errichteten. Und so ist es bis heute geblieben; die Warnung vor dem drohenden „Faschismus” ist das konstante Begleitgeräusch bei der Errichtung eines jeglichen sozialistischen oder quasisozialistischen Regimes.
Daraus folgt zwingend, dass eine von Linken dominierte Öffentlichkeit den Verbrechen des Kommunismus und den Menschen, die diesen Diktaturen Widerstand leisteten, so wenig Raum wie nur möglich gibt, während die Verbrechen der Gegenseite und der Widerstand gegen ihre Urheber omnipräsent sind (ich erinnere nur an die NSDAP-Mitgliederkartei, die der Spiegel kürzlich online gestellt hat). In der westlichen Welt haben die angeblichen oder tatsächlichen Untaten des Kolonialismus das Repertoire der historiographischen Folterinstrumente erweitert, die man den angeklagten Weißen präsentiert.“
(…) (Hervorhebungen: GB)
https://www.klonovsky.de/acta-diurna/


