Die Schlafwandler: Vom Versagen der politischen Klasse

Martin Burckhardt

„Wenn man sich den Nachhall der sachsen-anhaltinischen Wahl anschaut, kann man sagen, dass so etwas wie ein lärmendes Schweigen sich Bahn gebrochen hat, eine lange Sprachlosigkeit, die sich nun in in ein großes Lamento, in die Beschwörung „unserer Demokratie“ und die Schreckensbilder von Machtergreifung und ethnischer Säuberung hinein übersetzt. Dass in diesem Votum eine tiefe Zäsur sichtbar wird, ist unbestritten, sehr viel fraglicher jedoch erscheint mir, ob es sich nur auf die populistischen Umtriebe zurückführen lässt. Ebenso gut könnte man der Ansicht sein, dass die AFD das Gezücht Angela Merkels und ihrer unverdrossen behaupteten „Alternativlosigkeit“ ist. In diesem Sinn ließe sich das Votum der Sachsen-Anhaltiner als explodierendes Vakuum auffassen, eine akkumulierte Gegenwartsvergessenheit, die sich nun unversehens entlädt. Denn schaut man auf die großen Entscheidungen der beiden vergangenen Dekaden zurück, sticht ins Auge, dass jede große, ja, bahnbrechende Entscheidung fast ohne öffentliches Zutun zustande gekommen ist, in einem Maße, dass man geradezu von einer Evakuierung des Politischen sprechen könnte (eine Einschätzung, zu der ich meinerseits schon zu Zeiten der Finanzkrise gekommen bin). Und dies wiederum soll ein Anlass sein, sich die einzelnen Stationen dieses Prozesses in Erinnerung zu rufen.“ (…)

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