Wenn es eine Lektion aus den letzten Ausnahmemonaten gibt, dann wohl diese: Staat und Bürger merken gerade, dass sie sich schon lange entfremdet haben. Niemand hat diese Erfahrung präziser beschrieben als Hegel. Höchste Zeit, den deutschen Philosophen neu zu entdecken.
29.06.2020 – Thomas Sören Hoffmann
(…) „250 Jahre nach seiner Geburt lautet Hegels Botschaft: Der Staat hat allen Grund, sich davor zu fürchten, das Zutrauen der Bürger zu verspielen. Das verlorene Zutrauen ist durch Propaganda, durch das antrainierte Bekenntnis und blinde, angstgetriebene Gefolgschaft nicht zu ersetzen. Das Zutrauen erhält sich auch nicht durch blosse Machtdemonstration. Das Zutrauen lebt davon, dass der Bürger im Staat sein eigenes Recht erkennt – dass er den Staat in Freiheit als den seinen bejahen kann.
Ein Ausnahmezustand, in dem sich nicht das Recht, sondern die nackte Macht erhält, ja mehrt, zeigt nicht das Gesicht der Freiheit, er zeigt das der Unfreiheit, die mit gelebtem und darin wirklichem Recht nicht zusammengeht.“
https://www.nzz.ch/feuilleton/hegel-und-das-corona-jahr-wie-sich-staat-und-buerger-entfremden-ld.1562691


