http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/frankreich-vor-der-richtungswahl-radikale-aussichten-ld.132164
Kommentar GB:
Das Pendel der Globalisierung schlägt erkennbar zurück, und die damit verbundenen Bedenken sind aus ökonomischer Sicht keineswegs unbegründet. Protektionismus ist ein Mittel, das bei zurückhaltendem und behutsamem Einsatz nützlich sein mag, das aber rasch in einen für alle schädlichen Abschottungs-wettlauf führen kann. Deshalb ist hierbei große Vorsicht und Zurückhaltung geboten.
Wenn sich die entsprechende bisherige politische Tendenz fortsetzt, dann wird voraussichtlich ein Neustart Europas auf die Tagesordnung kommen, samt einer Überprüfung aller staatsvertraglichen Bindungen, einschließlich der Währungsfrage, also des Euro.
Zu vermuten ist, daß es dieses Mal darum gehen wird, die bestehenden Verträge – mit dem faktischen Ziel der „Vereinigten Staaten von Europa“ – zu revidieren oder aufzugeben und ganz neu auszuhandeln, etwa auf Basis des Ziels eines „Europas der Vaterländer“, wie General de Gaulle das seinerzeit nannte.
Das wäre nicht das Ende der europäischen Einigung, sondern eine Veränderung der Zielsetzung und eine Neuverteilung von Zuständigkeiten zwischen Brüssel und den Mitgliedsländern. Daß die Brüsseler EU-Nomenklatura an einer solchen Veränderung kein Interesse haben kann, das liegt auf der Hand, denn das wäre faktisch eine Teilentmachtung. Aber für die Demokratien, die ja nur auf nationaler Ebene funktionsfähig sind, wäre das vermutlich ein guter Tag.

